Immer wieder gibt es diverse Mythen und Falschinformationen über die Verwendung von Schalldämpfern.
Ich möchte mich in diesem Beitrag speziell um die Verwendung von Schalldämpfern im Sportbereich – speziell im LongRange Bereich – befassen.

Vorweg möchte ich klarstellen, dass ich aufgrund und im Zuge meiner Tätigkeit im Waffengewerbe dazu berechtigt bin, Schalldämpfer auf Schießstätten zu verwenden.

Das Thema Schalldämpfer ist gerade im Jagdbereich ein riesen Thema.
Erstmals ist es Dr. Raoul Wagner gelungen einen Schalldämpfer für seine Jagdausübung genehmigt zu bekommen – HIER gehts zum Bericht.
Gerade hier ist das Thema Gesundheit – speziell Vermeidung von Gehörschädigungen – ein riesen Thema seit Jahren.

Nun aber zum eigentlichen Thema.

Prinzipiell muss man grob zwischen zwei Sorten Dämpfern unterscheiden – Initialdämpfer und Schalldämpfer

Der Initialdämpfer hat die Aufgabe den Schussknall und dessen Schallausbreitung in alle Richtungen zu verteilen. Dies hat den Sinn, dass der vermeintliche Scharfschütze beispielsweise nicht genau von Richtmikrofonen geortet werden kann.

Der Schalldämpfer soll den Mündungsknall unterdrücken, nicht jedoch den Geschossknall.

Wo wir bei den Grundlagen der Funktion eines Schalldämpfers wären. Es gibt zwei Arten von “Knallen” die bei einem Schuss entstehen – den Mündungsknall und den Geschossknall.
Der Schalldämpfer unterdrückt lediglich den Mündungsknall – sprich die Explosionsgeräusche die sich vom Lauf Richtung Mündung ins Freie entfalten würden.
Der Geschossknall entsteht – ähnlich wie bei Düsenflugzeugen – durch das Durchbrechen der Schallmauer (rund 330 m/s).

Somit benötigt man für die korrekte Benutzung eines sehr leisen Schusses entsprechende Unterschallmunition – auch Subsonic genannt.
Allerdings verringert man die Einsatzschussweite dadurch emens.

Dies ist für einen Sportschützen, spezieller einen LongRange Schützen nicht interessant. So habe auch ich mich mit dem Thema beschäftigt, welche Vorteile es bringen würde, einen Schalldämpfer sportlich einzusetzen. Die Gerüchte gingen von Rückstoßreduktion bishin zu Präzisionsverbesserung.
Gesagt, getan – meinen LongRange Buddy Michael Grübling geschnappt und ab ins Europa Schießzentrum Steyr Mannlicher in Wr. Neustadt.
Vielen Dank an dieser Stelle für die immer sehr angenehme und professionelle Betreuung. Auch dieses Mal wurden wir wieder großartig unterstützt.

Zum Test haben wir das bereits vorgestellte Steyr SSG 08-A1 RangeIsClear Edition in .338 Lapua Magnum in Verbindung mit einem Ase Utra SL7i Schalldämpfer verwendet.
Ebenso haben wir ein Heat/Mirage Cover von Ase Utra verwendet – leider gab es kurzfristig kein farblich passendes zur RAL8000 :)

Wie wir wissen, entfaltet die .338er erst zwischen 200-300m ihre höchste Präzision aufgrund Stabilisierungsphase usw. (hier streiten sich Experten welche Distanz nun wirklich stimmt).
Ich selbst habe diese Erfahrung mit vielen anderen Gewehren in diesem Kaliber bereits gemacht – auf 100m einen Streukreis wie mit Buckshots, auf 300m ein Loch so groß wie eine Euro Münze.
Dass das SSG aus Kleinraming jedoch genau das Gegenteil ist und bereits auf 100m hervorragende Ergebnise leistet, haben wir bereits berichtet – hier haben wir Ergebnisse von rund 1,6-2,0cm zusammengebracht.

Hier ein Zusammenschnitt unseres Silencer Testing Days in Wr. Neustadt:

Nun war es soweit – .338 Lapua Magnum von Sellier & Bellot und Steyr SSG 08-A1 mit Ase Utra Schalldämpfer – und danach großes Staunen und ein Lächeln von mir wie wenn es gerade Weihnachten, Ostern und Geburtstag auf einmal wäre. Ebenso sehr verwunderte Blicke meiner Standnachbarn.

Die Mündungsbremse welche von den Steyr Ingenieuren entwickelt wurde, verrichtet wirklich sehr gute Arbeit, jedoch hat sich der Rückstoß der .338er plötzlich auf ein Niveau einer .308er mit gut arbeitender Mündungsbremse verringert. Ebenso ist kein Hochschlag festzustellen, lediglich ein “angenehmes” Schieben der Waffe in horizontaler Richtung entlang der Laufachse.
Sehr verwundert waren dann meine Standnachbarn, welche mit der üblichen Druckwelle gerechnet haben als sie die doch etwas größeren Patronen gesehen haben und sogar den Schießbetrieb kurz unterbrachen. Jedoch mussten sie, genauso wie ich feststellen, dass es keinerlei Druckwelle seitwärts gegeben hat, da der Schalldämpfer für mein empfinden ca. 80% der Druckwelle “schluckt” und den Rest linear nach vorne abgibt in Form einer schönen Rauchwolke.
Auch die Geräuschkulisse der üblichen .338er Schüsse wurde für mein empfinden um rund 50-60% gedämpft – dies habe ich dann auch auf dem 200m Stand getestet in dem ich bewusst die Gehörschutzschalen ein Stück weit weg von meinen Ohren hielt. Ohne Schalldämpfer undenkbar, mit Schalldämpfer war es eine auszuhaltende Schallkulisse, welche im Fall des Falles meiner Meinung nach keine bleibende Gehörschädigung mit sich bringen würde, sollte der Gehörschutz mal unabsichtlich nicht aufgesetzt sein und jemand lässt den Schuss brechen.

Ok, soweit so gut, einige der Mythen und Gerüchte waren nun für uns definitiv bestätigt – Rückstoß hat sich definitiv und nachweislich um ca. 50% reduziert, keine unangenehmen Druckwellen seitwärts, angenehme Geräuschkulisse trotz “Standard” Munition im Überschallbereich.
Fehlte noch das Gerüchte über Präzisionserhöhung. Was soll ich schreiben ? Bilder sprechen mehr als tausend Worte – zur Erklärung, ein Kästchen hat exakt 10mm….


Hier sind 5 Treffer zu sehen – es handelt sich um das rund 10mm groß Loch in der Mitte – die rechten Löcher stammen vom einschießen und waren abgeklebt.

Ein solches Trefferbild ist mir persönlich auf 100m noch nicht untergekommen in diesem Kaliber.

Gut, dies kann natürlich Zufall gewesen sein. Also Standortverlegung nach nebenan auf 200m.
Auch hier möchte ich lieber Bilder sprechen lassen.

Zusammengefasst können Michael und ich festhalten, dass die offizielle Benützung eines Schalldämpfers im Sportbereich in vielerlei Hinsicht eine enorme Bereicherung darstellen würde.

  • Minimierung von Gehörschäden
  • Schonung des Standnachbarn
  • Rückstoßreduktion um bis zu 50% und mehr
  • Präzisionerhöhung
  • uvm.

Deswegen begrüße ich die Entscheidung des VwGH bzgl. des positiven Entscheids im Fall der erstmaligen Bewilligung eines Schalldämpfers für einen Jäger und hoffe das sich dieser Trend nun auch einerseits in der Jagdszene weiter fortsetzen wird und schlussendlich auch sportlich zugelassen werden wird. Ich persönlich denke es ist an der Zeit, dass ein Umdenken bei den Behörden stattfinden sollte. Ein Schalldämpfer ist bei Gott nichts böses und ist definitiv nicht so wie in den Hollywoodfilmen dargestellt.

Preislich befindet sich der verwendete Ase Utra SL7i bei rund € 519,- und das verwendete Heat / Mirage Cover bei rund € 30,- und ist für Berechtigte bei jedem Waffenfachhändler nach Vorlage der entsprechenden Berechtigung erhältlich.

Vielen Dank an dieser Stelle an meine Sponsoren und Unterstützer der Firmen Steyr Mannlicher, Sellier & Bellot, XJagd & Kahles.

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